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Besuch im SIM

Am 11. März trafen sich 19 Mitglieder unserer Abteilung – natürlich ausschließlich Oldies, wer von den Berufstätigen hat denn auch um 14 Uhr Zeit ? – im SIM, dem Musikinstrumenten - Museum des Staatlichen Instituts für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz am Kulturforum am Tiergarten (uff...). Dieses Museum beherbergt Tausende von Instrumenten, von denen aber nur ein kleiner Teil in den Ausstellungsräumen zu sehen und z. T. auch zu spielen sind. Schwerpunkt der Ausstellung sind die europäischen Musikinstrumente ab dem Mittelalter, über das 17., 18. und 19. Jahrhundert bis hin zur Gegenwart.
 
Ilona hatte eine Führung bestellt, und so ging es dann pünktlich los; wir tauchten in die Musikinstrumentengeschichte ein. Unser sehr fachkundiger Begleiter führte uns zunächst zu den Blasinstrumenten, wo er an Hand oder besser per Mund und Lunge die Entwicklung dieser Gattung uns zu Gesicht und Gehör brachte – vom einfachen Schilfblatt-Mundstück bis zum Horn. Yvonn konnte ihre Fähigkeiten auf einem einfachen Posthorn beweisen – unser Begleiter war verblüfft! Es ging weiter zu den Geigen, die wir allerdings nur hinter Glas bewundern durften. Anschließend wurden wir mit der Entwicklung vom Cembalo bis zum Konzertflügel vertraut gemacht, natürlich mit entsprechenden musikalischen Kostproben.
 
Nach einem kurzen Stopp bei den Flöten und Klarinetten, wo uns das Flötenspiel von Friedrich II demonstriert wurde, kamen wir zum nächsten Highlight des Museums, der gut über zwei Etagen reichenden, dreimanualigen Kirchenorgel aus der Kirche St. Mary in Bathwick (England). Unser Begleiter fühlte sich hier langsam in seiner Welt: er führte uns in die Geheimnisse des Orgelspiels ein, ließ unsere Körper ob der sehr tiefen, kaum hörbaren Töne erbeben und dann die „Vögel zwitschern“, zeigte uns wie es ist, wenn der Orgel die Luft ausgeht usw. – er zog im wahrsten Sinne des Wortes alle Register.
 
Auf dem Weg zum absoluten Höhepunkt der Führung machten wir noch einen kurzen Halt an einem recht unscheinbaren Instrument, einem der ersten Hammerflügel. Es war aber der Flügel, an dem 1820/21 Carl Maria von Weber seine berühmteste Oper, den „Freischütz“, komponiert hatte. Im Berichterstatter machte sich an diesem Ort ein merkwürdiges Gefühl bemerkbar. Diese Oper war seine erste überhaupt, die er als Schüler Ende der 50er Jahre im heutigen Theater des Westens im Hochsommer im 3.Rang bei tropischen Temperaturen gehört bzw. erlebt hatte – hingerissen von der Musik und der Darbietung, besonders das Gießen der Freikugeln in der Wolfsschlucht ging ihm unter die Haut; diese Aufführung bleibt für ihn unvergesslich – und hier stand nun das kleine Instrument, an dem diese große Oper komponiert worden war...
 
Zum Abschluss der Führung kam natürlich das absolute Highlight der Ausstellung, die viermanualige
Mighty Wurlitzer Orgel, eine 1926 gebaute Filmtheaterorgel, eine der größten Europas. Das Cockpit eines A 380 ist ein Kinderwagen im Vergleich zu dem Bedienungspult dieses Instruments – besser gesagt, einem pneumatisch und elektrisch gesteuerten Orchesters. Unser Begleiter war jetzt endgültig in seinem Element. Er demonstrierte uns, wie in der Stummfilmzeit die Filme musikalisch unterlegt wurden – es ist gut vorstellbar, dass viele Leute nur wegen der Musik ins Kino kamen, der Film war nur Nebensache. Im Obergeschoss des Museums ist auf der Fläche einer großzügigen 3-Zimmer-Wohnung der Tonerzeugungsteil aufgebaut: vom Schlagzeug bis zur 5,9 m langen Orgelpfeife. Man kann deren Funktion während des Spielens verfolgen, von Geisterhand betätigte Klöppel, Tasten usw.
 
Nach einer tollen Zugabe entließ uns unser Begleiter für einen nochmaligen Rundgang durch die Ausstellung nach eigenem Interesse – aber ohne die Vorführung der Exponate ist sie doch nur noch die Hälfte wert, logisch.
 
Übrigens; wer neugierig geworden ist: jeden Sonnabend um 12 Uhr wird die Wurlitzer - Orgel vorgeführt (Eintritt 4 €, ermäßigt 2 €)- allerdings gibt es kein festes Programm, der Musiker – meist unser Begleiter – spielt spontan was ihm einfällt.
 
Nach dem Museumsbesuch fuhren die meisten von uns nach Steglitz in die Schildhornstraße und besuchten dort ein Restaurant mit schwäbischer Küche – es war ein wundervoller Ausklang. Und so freut sich alles schon auf die nächsten Aktivitäten des Kulturtreffs.
März 2010 Axel Noack


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