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Kulturtreff im „Polizeimuseum“

Dieses Mal fand der
Kulturtreff der Tanzsportabteilung am 29.08.2012 im Polizei-/ Kriminalmuseum statt, zu finden im ehemaligen Flughafen Tempelhof, am Platz der Luftbrücke 6. Ilona war es wieder einmal gelungen, eine nicht alltägliche Ausstellung ausfindig zu machen, und so lockte die „Polizeihistorische Sammlung Berlin“ viele Tanzfreunde an.

Sachkundig, kompetent und unterhaltsam wurden wir von einem pensionierten Polizeibeamten durch die geschichtliche Entwicklung der Berliner Polizei geführt - angefangen von der „Königlichen Schutzmannschaft“ auf Anordnung König Friedrich Wilhelm IV 1848, bis in die Gegenwart. Bemerkenswert fand ich seine äußerst differenzierte Darstellung und kritische Betrachtungsweise. Sie erstreckte sich von einer anfänglichen militärischen Schutztruppe, vor allem zum Aufspüren von „Staatsfeinden“ im Kaiserreich sowie „Revolutionärer Gruppen“ in der Weimarer Zeit, über Handlanger im Nationalsozialismus (u.a.„Polizeibataillone“ im II. Weltkrieg) zu noch militärisch ausgebildeten West-Berliner “Bereitschaftspolizisten“ in den 1960er Jahren. Erst mit der Polizeireform von 1972 erhielten die Beamten eine Ausbildung und Ausstattung, mit der es ihnen zunehmend besser gelingt, deeskalierend bei den zahlreichen Demonstrationen in der Stadt zu wirken.

Wir fanden uns als Zeitzeugen wieder in den Berichten und Geschichten der Nachkriegszeit, erinnerten uns des „Schutzmannes“, der drei Militärpolizeien in den Sektoren West-Berlins, erfuhren von damaligen Kompetenzstreitigkeiten der Alliierten. Uns wurde die Eskalation am Checkpoint Charly vom Oktober 1961 ins Gedächtnis gerufen und die damalige Aufgabe der Bereitschaftspolizei verdeutlicht, nämlich die militärische Verteidigung West-Berlins. Wir erinnerten die Demonstrationen anlässlich des Schah-Besuchs 1968, die Erschießung Benno Ohnesorgs und den „Fall Kurras“.

Den Abschluss bildeten zwei uns noch allen wohlbekannte Fälle aus der Kriminalgeschichte West-Berlins, nämlich der des Karstadt-Erpressers „Dagobert“ sowie der spektakuläre Raubüberfall auf die Commerzbank in Schlachtensee im Jahre 1995. Nach 18 Monaten mühsamen Tunnelbaus erbeuteten die Diebe zwar ~16 Mill. DM, konnten aber aufgrund ihrer hinterlassenen Spuren bereits vier Tage später in ihrer Wohnung festgenommen werden mitsamt ihrer Beute.

Wir amüsierten uns über die ausgestellten Uniformen mit Pickelhaube und hohem Stehkragen der Kaiserzeit. Sie sollten die Ordnungshüter größer, imposanter und mächtiger erscheinen lassen. Nach 1919 wurde die Pickelhaube durch den „Tschako“ ersetzt. Der neue Staat hatte kein Geld, die Polizei musste neu eingekleidet werden, und Tschakos waren aus den Militärbeständen reichlich vorhanden. Bis in die Mitte der 60er Jahre blieb der Tschako die Kopfbedeckung der Polizei, mit wechselnden Regierungen wechselten allerdings die Hoheitszeichen.

Auch nach 1945 herrschte Geldknappheit. Blauer Stoff war angeblich reichlich vorhanden, und so wurde die West-Berliner Polizei blau eingekleidet. Die Uniform der Volkspolizei in Ost-Berlin und in der DDR blieb bis in die 1960er Jahre ähnlich der im Nationalsozialismus, zuletzt war es ein grüner Uniformrock.
Und last not least: Man will’s kaum glauben, in den Anfängen der Polizei vor ~ 150 Jahren prangte auf den Mützen der „Königlichen Schutzmannschaft“ eine Identifikationsnummer! Gegen eine solche wehrt sich bislang die Polizeigewerkschaft noch immer erfolgreich.

Inge Schernick, September 2012